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Warum du klarer führst, sobald du dich nicht mehr mit ihr verwechselst - Rolle und Person trennen.

26. Juni
4 Min. Lesezeit

Abstand gewinnen: Warum es wichtig ist, nicht mit deiner Arbeit zu verschmelzen und wie eine neue Perspektive Klarheit schaffen kann.
Abstand gewinnen: Warum es wichtig ist, nicht mit deiner Arbeit zu verschmelzen und wie eine neue Perspektive Klarheit schaffen kann.

Im November 2022 postete Esther Crawford ein Foto, das um die Welt ging. Es zeigt sie in einem Schlafsack auf dem Boden des Twitter-Büros. Sie war dort Produktchefin, hatte eine kaum zu schaffende Deadline und arbeitete rund um die Uhr. Wenige Monate später wurde sie gefeuert, mit Tausenden anderen. Sie musste ihren Schlafsack packen und gehen.


crawford auf dem boden im Büro
Twitter-Direktorin Crawford übernachtet in einem Büro nach Unternehmensumstrukturierungen, um die strengen Fristen einzuhalten. #SleepWhereYouWork

Das Bild ist zur Ikone für eine Frage geworden, die viele kennen, auch ohne Schlafsack im Büro: Wie viel von dir gehört eigentlich dir, und wie viel der Firma?


Haltung erbt man nicht. Man übt sie.

Die gesunde Distanz - Rolle und Person trennen


Wie man diese Grenze hält, hat bei den Olympischen Winterspielen jemand gezeigt, von dem man es nicht erwartet hätte. Eine Reporterin stellte Eileen Gu eine fast unhöfliche Frage. Denkst du eigentlich nach, bevor du sprichst? Du antwortest auf alles so schnell und so umfassend, ob es um Geopolitik, deinen Sport oder Aerodynamik geht. Nimm uns mal mit in deinen Kopf.



Eileen gu
Ski-Freestyle-Star Eileen Gu freut sich über ihre Erfolge bei der Pressekonferenz und präsentiert stolz ihre Olympia-Silbermedaillen.

Gu lächelte und antwortete sinngemäß: Sie sei ein nachdenklicher Mensch, sie schreibe viel Tagebuch und betrachte ihr eigenes Denken mit einem analytischen Blick, so wie ein Tüftler an seinem Handwerk feilt. Ihr Punkt: Du kannst steuern, wie du denkst. Und damit, wer du wirst.

Genau diese Fähigkeit, das eigene Denken aus etwas Abstand zu betrachten, ist der Anfang von guter Führung. Der riskanteste Reflex ist der umgekehrte: wenn Rolle und Mensch eins werden.



Wenn Firma und Mensch verschmelzen


Vor zwei Tagen saß mir ein Finanzleiter gegenüber, der seit Wochen kaum schläft. Sein Job wackelt nicht. Aber dem Unternehmen geht es wirtschaftlich schlecht, und er und die Firma sind längst dasselbe geworden. Am selben Tag schrieb mir eine Führungskraft, Mitte 30, zehn Jahre im Konzern. Die Inspiration sei ihr dort abhandengekommen, sie suche gerade, wohin es für sie gehen kann.


Zwei Menschen, dieselbe Dynamik. Beide haben ihre Firma zur Familie gemacht. Und wenn die Grenze zwischen dir und deinem Unternehmen verschwimmt, reagierst du nur noch auf die Lage, statt sie zu gestalten.


Dabei ist deine Firma nur eine von drei Welten, in denen du unterwegs bist. Sie ist deine Organisations-Welt, deine Rolle im Betrieb. Daneben stehen deine Professions-Welt, also dein Können und dein Ruf, und deine Privat-Welt, dein Leben jenseits der Arbeit. Durch alle drei tönt dieselbe Person, dein Wesenskern. Den kann niemand kündigen.


Genau dort sitzt der Abstand, den du brauchst um Rolle und Person zu trennen.


drei welten modell bernd schmid
Darstellung des "Drei-Welten-Modells" nach Bernd Schmid: Die Grafik verdeutlicht, wie die Professions-, Organisations- und Privat-Welt als Facetten einer Person interagieren, wobei Qualität, Leistung und Beziehung zentrale Werte sind.

Und genau das ist der Punkt: Abstand ist keine Charakterfrage, sondern Übung.



Was wir von Eileen Gu und Matthew McConaughey lernen können

Eileen Gu hat dafür einen einfachen Bezugspunkt, und sie nimmt ihn aus der Vergangenheit. Werde der Mensch, den dein achtjähriges Ich bewundern würde.


Denselben Halt kann man auch aus der anderen Richtung holen, aus der Zukunft. Matthew McConaughey hat das in seiner Oscar-Rede beschrieben. Sein Held, sagt er, sei er selbst in zehn Jahren, einer, den er nie ganz einholt, und genau das halte ihn in Bewegung.


beide in einem bild
Zwei Menschen, zwei Geschichten: Die wahre Orientierung entspringt der eigenen Identität, nicht der äußeren Rolle.

Zurück oder nach vorn, beide richten sich an einem Ich über die Zeit aus, nicht an der Wetterlage ihrer Firma.


Diese Ausrichtung gehört dir. Und sie ist trainierbar.


woran du dich orientieren kannst



Dein Werkzeug für diese Woche, zwei Fragen.


Die erste sortiert die Welten. Wenn dich gerade etwas umtreibt, frag dich:

In welcher Welt sitzt das eigentlich?

Wenn die Firma wackelt, wackelt deine Organisations-Welt. Deine Professions-Welt, dein Können und dein Ruf, steht weiter. Deine Privat-Welt steht weiter. Und durch alle drei tönt dieselbe Person. Schon dieses Sortieren stellt den Abstand her, weil du aufhörst, die Lage des Betriebs als deine ganze Lage zu nehmen.

Die zweite gibt dir einen Bezugspunkt, der nicht in der Firma liegt.


Wäre dein achtjähriges Ich heute stolz auf dich, und wen willst du in zehn Jahren eingeholt haben?

Den findest du in dir, auch wenn die Organisations-Welt gerade keinen liefert.



Nächsten Samstag geht es weiter und eine Ebene höher. Heute ging es um dich. Nächste Woche um das, was du als Unternehmen baust: Wie sorgst du dafür, dass eine Leistungskultur entsteht und keine Familienkultur?


Das schauen wir uns an mehreren Modellen an, konkret und zum Mitnehmen.

Und wenn du gerade selbst an dieser Grenze stehst, beruflich vor einer Entscheidung mit Tragweite oder mitten in einer Phase, in der Rolle und Person verschwommen sind, dann ist das oft der Moment, in dem ein Gespräch von außen den Abstand schneller herstellt als jedes Wochenend-Werkzeug.


Genau dafür arbeite ich mit Einzelnen, im Coaching und im strategischen Sparring.

Wenn du magst, lass uns reden.


Innen klar. Aussen wirksam.


Alexander Hachmeyer

 
 
 

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